mustafa islamoğlu,mustafa islamoğlu almanca yazılar,almanca dini yazılar,almanyada islam,mustafa islamoglu
Ramazan: Monat des Quran
Die Verunreinigung von 11 Monaten haftet uns an. Dies ist nicht zu vergleichen mit einer schmutzigen Hand oder einem unsauberen Fuß. Denn so eine Verschmutzung könnte man abwaschen.
Es handelt sich um eine Verschmutzung des Herzens, der Gedanken, des Verständnisses oder vielmehr um eine Verschmutzung der Vorstellungswelt in den Köpfen der Menschen.
Die Verschmutzung von Wissen ist eine der akutesten Krankheiten unserer Zeit. Der Mensch, dessen Herz und Wissen unrein sind, überträgt diese Krankheit auf alles, womit er in Kontakt tritt. Das Wort, der Gedanke und das Gefühl werden beschmutzt. Liest dieser Mensch mit unreinen Gedanken den Quran, überträgt sich diese Gedankenverschmutzung auf das Vorstellungsbild desjenigen über den Quran.
Den süßen Geschmack einer gottesdienstlichen Handlung kann man nicht mehr wahrnehmen, genauso wenig wie man das schmackhafteste Essen auf dieser Welt genießen kann, wenn es auf einem dreckigen Teller serviert wird.
Die Verschmutzung von Wissen und Verstand, Herz und Gefühlswelt sind nicht so leicht zu reinigen, wie verschmutzte Organe. Sie können nicht einfach sagen „Einfach unters Wasser halten, wird schon sauber“. Es handelt sich um eine gefährliche Verunreinigung. Wenn die Verschmutzung immateriell also geistig moralischer Art ist, so ist der einzige Weg, sich davon zu reinigen, konsequenterweise auch auf dieser Ebene zu suchen.
Die von ALLAH bestimmten Ibadahs (gottesdienstlichen Handlungen) sind exakt die richtigen Mittel, um dem Menschen zu seiner Reinheit zu verhelfen. Sie sind von ALLAH bestimmt, weil Er den Menschen erschaffen hat und somit am besten weiß, wo die Schwachpunkte eines jeden liegen, sogar besser als diejenige Person selber! Hier schlägt sich folgender Quranvers nieder: „Wird Er denn nicht seine Schöpfung kennen?“.
Das Wissen über seine Geschöpfe, lässt Ihn die besten Rezepte schreiben, um dem Menschen die einzig wahrhaftige Möglichkeit zu geben, sich von seinen immateriellen Verschmutzungen zu säubern. Die Offenbarung (also der Quran) ist das Ergebnis dieser Rezepte und somit ein wahre Schatztruhe der Heilung.
Die Ibadahs sind für sich alleine genommen nicht das Ziel. Vielmehr sind sie als Mittel für viel höhere Ziele bestimmt.
Genauso wie das Fasten…Jede Ibadah hat seinen Zweck und seine Weisheit. Jedoch ist es so, dass manchmal der Zweck und die Weisheit nicht so offensichtlich im Quran niedergeschrieben sind. In diesem Fall muss man den Quran erst tiefgründig lesen und darüber nachdenken, bis man dahinter kommt.
Das Fasten aber fällt unter die erste Kategorie. Der Vers, welcher das Fasten zur Pflicht macht, fängt wie folgt an „Oh ihr Gläubigen! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, wie es denjenigen vorgeschrieben war, die vor euch lebten“.
Nach dieser göttlichen Instruktion folgt direkt das Ziel, welches beim Menschen erreicht werden soll.
„Leallekum Tettekún: In der Erwartung, dass ihr eurer Verantwortung bewusst werdet.“
Ja, der Zweck des Fastens ist, in dem Menschen das Verantwortungsbewusstsein zu erwecken, es standhaft zu halten.
Aber wem gegenüber?
Erst einmal sich selbst, seiner Existenz gegenüber…Denn der Mensch ist die Krone der Schöpfung und wurde von ALLAH zu einem ganz bestimmten Zweck erschaffen.
Aufgrund dessen muss er nach dem Sinn und Zweck seines Daseins fragen, danach suchen und es finden. Dies ist die Verantwortung, die der Mensch sich selber gegenüber trägt und der er sich bewusst werden muss.
Wird der Mensch seiner Verantwortung sich selbst gegenüber bewusst, so wird er sich auch der Verantwortung gegenüber ALLAH bewusst werden. Dies ist mit den Worten des Qurans, die Taqwa.
Somit trägt das Fasten dazu bei, der Verantwortung in seinem Inneren gerecht zu werden, das Sättigen des schwächelnden Geistes zur Erstarkung desselben zu verwirklichen. Denn das elfmonatige Ernähren des Körpers hat die Ernährung des Geistes, des Verstandes und des Wissens in die hinteren Reihen verdrängt und somit zu seiner Schwächung geführt. Dabei wird der Mensch nicht zum Menschen wegen Knochen und Fleisch. Es ist der Geist, der Verstand, das Wissen, was den Menschen definiert. Deswegen muss der Mensch das ernähren, was ihn eigentlich zum Menschen macht.
Wenn der Mensch anfängt, das zu ernähren und stärken, was ihn zum Menschen macht, so wird sein Herz, welches vorher im Dunkeln war, ans Licht geführt. Zudem werden sein Verstand und sein Wissen ans Licht geführt. Sein vorher blindes Auge wird sehen können, sein Ohr hören, seine Nase Düfte vernehmen.
Diese geistige Entwicklung wird dazu beitragen, das Wissen des Menschen zu steigern und ihn durch die Ibadahs in eine aktive Beziehung zu seinem Herrn eintreten zu lassen.
Als Ergebnis dieser Entwicklung wird die Dienerschaft des Menschen zu ALLAH aufsteigen.
Als Antwort wird ALLAH die Funktion als der Herr (Rabb) seines Dieners übernehmen.
Von dem Menschen werden Duas (Bittgebete) aufsteigen.
Von ALLAH wird die Erwiderung darauf niederkommen.
Vom Menschen werden Fragen aufsteigen.
Von ALLAH werden Antworten herabsteigen.
Jedes „Emporsteigen“ mit der richtigen Adresse wird wie ein Miradsch für den Diener sein. Natürlich wird dies von ALLAH durch ein „Hinabsteigen“ quittiert. Und die Offenbarung ist eine Antwort von ALLAH auf die Frage nach dem Sinn des Lebens/ der Existenz der Menschen und die Antwort in Form der Annahme der Einladung, die der Mensch durch sein Verhalten an den Tag legt.
Der Anfang der letzten Göttlichen Offenbarung (Quran) kam in Mekka auf dem Berg Hira im Monat Ramadan nieder. Wir Gläubige bezeichnen den Monat Ramadan als Sultan der 11 Monate, weil der Quran in diesem Monat geboren wurde. Denn der Quran ist das höchste der Worte und in diesem Monat wurde der verdunkelte, verschmutzte Horizont der Menschen erhellt und gesäubert.
Wenn die Offenbarung (Quran) den Monat und die Nacht, in der er niederkam (lai´l atul Qadir), so wertvoll macht, dass sie wertvoller als 1000 Monate (83 Jahre) ist, dann, oh Ihr Menschen, könnt Ihr euch vorstellen, was geschieht, wenn diese Botschaft in Eure Herzen, in Euer Leben, in Euer Haus, in Eure Stadt, in Euer Land Einzug nimmt? Könnt ihr Euch vorstellen, wie viel Ihr an Wert gewinnen werdet? Habt Ihr je daran gedacht?
Der Ramadan muss der Monat sein, in dem wir eins werden mit dem Quran. Der Quran darf nicht nur in unserer Hand und auf unserer Zunge sein, er muss in unseren Herzen, in unserem Verstand und somit in unserem Leben Einzug finden.
Damit der Quran in unser Leben übergehen kann, müssen wir unser Vorstellungsbild, unseren Verstand und unsere Persönlichkeit vom Quran errichten lassen. Wir müssen aufhören damit den ehrwürdigen Quran noch weiter erhöhen zu wollen (Falscher Respekt durch bloßes Aufhängen an der Wand). Stattdessen müssen wir den Quran dazu nutzen, unsere Stellung (ALLAH gegenüber) zu erhöhen.
Wenigstens müssen wir in diesem Ramadan Folgendes sagen können: „Oh mein Herr, ich bitte dich um Vergebung, weil ich die Botschaft, die du mir geschickt hast, bis heute nicht gelesen habe“, um sodann unsere innere zerstörte Welt vom Quran wieder erbauen zu lassen.
Dies müssen wir nicht nur für uns, sondern auch für diejenigen, die auf diese Offenbarung angewiesen sind, tun. Ebenfalls für den Iman, welcher auf diesem Boden einer dunklen und unterdrückten Zukunft entgegenblickt.
Herzlich Willkommen Ramadan, auf dass auch Du uns herzlich Willkommen heißen mögest!
Original von Mustafa Islamoglu
Quelle: www.mustafaislamoglu.com
Übersetzt von der islamischen denkfabrik
